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Grundlagen

Typ 1, Typ 2, Schwangerschafts­diabetes: Die Unterschiede

4 Min. Lesezeit
Kurz zusammengefasst
  • Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung: Der Körper greift die insulinbildenden Zellen an. Es entsteht ein Insulinmangel, der ein Leben lang behandelt wird.
  • Typ-2-Diabetes entwickelt sich meist über Jahre: Die Zellen reagieren schwächer auf Insulin, später kann auch die Insulinproduktion nachlassen.
  • Schwangerschaftsdiabetes entsteht erstmals in der Schwangerschaft durch die Hormone der Plazenta und verschwindet bei den meisten Frauen nach der Geburt wieder.
  • Frauen mit Typ 1 oder Typ 2 vor der Schwangerschaft haben keinen Schwangerschaftsdiabetes, sondern werden besonders eng begleitet.

Das Wort „Diabetes“ klingt für viele erst einmal nach demselben und im Alltag wird oft alles in einen Topf geworfen. Dabei stecken hinter den drei Formen ganz unterschiedliche Ursachen. Das ist wichtig, wenn du deine Diagnose einordnen oder mit Freund:innen und Familie darüber sprechen möchtest.

Typ 1: wenn das Immunsystem die Insulinbildung stoppt

Bei Typ-1-Diabetes zerstört das Immunsystem die Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin herstellen. Der Körper bildet dadurch kein oder kaum noch Insulin. Man nennt das einen absoluten Insulinmangel. Typ-1-Diabetes beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter oder im jungen Erwachsenenalter. Er hat nichts mit Ernährung oder Lebensstil zu tun. Wer ihn hat, braucht ein Leben lang Insulin.

Typ 2: wenn die Zellen schwächer auf Insulin reagieren

Bei Typ-2-Diabetes wird das Insulin zwar noch gebildet, aber die Zellen reagieren darauf nicht mehr richtig. Das nennt man Insulinresistenz. Zu Beginn gleicht die Bauchspeicheldrüse das noch aus, später reicht das Insulin nicht mehr. Typ 2 entwickelt sich oft schleichend über viele Jahre. Neben der Veranlagung spielen Gewicht, Bewegung und Ernährung eine Rolle. Er lässt sich zu Beginn häufig mit Lebensstil und Tabletten behandeln, später kann auch Insulin nötig werden.

Quelle (Typ 1 und Typ 2): diabinfo.de, „Andere Diabetesformen: Alles auf einen Blick", https://www.diabinfo.de/leben/andere-diabetesformen.html

Schwangerschaftsdiabetes: eine Anpassung nur für diese Zeit

Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) wird als eigene Form eingeordnet. Er entsteht erstmals in der Schwangerschaft, weil die Hormone der Plazenta die Insulinwirkung abschwächen. Das erinnert ein bisschen an Typ 2, weil auch hier die Zellen schwächer auf Insulin reagieren. Der entscheidende Unterschied: Der Auslöser ist die Schwangerschaft selbst. Bei den meisten Frauen normalisiert sich der Blutzucker nach der Geburt wieder.

Das heißt aber nicht, dass danach alles vergessen werden kann. Nach einem Schwangerschaftsdiabetes ist das Risiko erhöht, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Deshalb sind Kontrollen nach der Geburt wichtig, mehr dazu findest du im Beitrag zum Typ-2-Risiko.

„Den Kopf nicht hängen lassen und die positiven Effekte sehen, denn vieles daran ist nur vorübergehend.”

— anonym, aus unserer Community

Und wenn ich schon vor der Schwangerschaft Diabetes hatte?

Dann hast du keinen Schwangerschaftsdiabetes, sondern einen bereits bestehenden Typ-1- oder Typ-2-Diabetes in der Schwangerschaft. Das wird anders betreut, mit engerer Begleitung und oft schon vor der Schwangerschaft geplant. Manchmal wird auch erst in der Schwangerschaft entdeckt, dass ein Diabetes schon vorher bestand. Wenn ein Wert schon sehr früh in der Schwangerschaft deutlich erhöht ist, klärt deine Praxis, um welche Form es sich handelt.

Warum die Unterscheidung wichtig ist

Wenn du die Unterschiede kennst, kannst du Aussagen aus deinem Umfeld besser einordnen. Sätze wie „Dann darfst du keinen Zucker mehr essen“ oder „Das kommt vom Übergewicht“ stimmen in dieser Form nicht. Bei Typ 1 geht es um einen Insulinmangel durch das Immunsystem und bei Schwangerschaftsdiabetes um die Hormone der Schwangerschaft. Du darfst falsche Vorstellungen freundlich richtigstellen, du musst es aber nicht.

Gemeinsamkeiten, die verbinden

So verschieden die drei Formen sind, einiges haben sie gemeinsam. In jedem Fall geht es darum, den Blutzucker im Blick zu behalten und ihn mit passenden Mitteln im Zielbereich zu halten. Auch das Messen, das Planen von Mahlzeiten und der Umgang mit Unsicherheit ähneln sich. Deshalb kann der Austausch mit anderen Betroffenen hilfreich sein, auch wenn ihre Diagnose anders heißt als deine.

Wie du das im Gespräch erklären kannst

Wenn dich jemand fragt, ob du „Diabetes“ hast, kannst du es kurz so sagen: „Ich habe einen Schwangerschaftsdiabetes. Der kommt von den Hormonen in der Schwangerschaft und geht meist nach der Geburt wieder weg.“ Das reicht. Du musst niemandem mehr erklären, wenn du nicht möchtest.

Sprich bei allen Fragen und Unsicherheiten mit deiner Gynäkolog:in, Hebamme oder diabetologischen Praxis. Sie kennen deine persönliche Situation.