
Wie du dich fühlen darfst
Kurz zusammengefasst
- Nach der Diagnose ist erst einmal alles anders. Manche Frauen fühlen sich taub, andere überfordert, wieder andere erleichtert.
- Es gibt kein „richtiges“ Gefühl. Wut, Angst, Gleichgültigkeit, Erleichterung: Alles davon ist in Ordnung.
- Gefühle verändern sich oft von allein, wenn du ihnen nicht zusätzlich mit Selbstkritik begegnest.
- Du musst jetzt nichts leisten. Kleine Schritte reichen.
- Wenn die Gefühle sehr stark bleiben, darfst du dir Unterstützung holen.
- Wie es dir mit der Diagnose geht
- Was dich gerade am meisten beschäftigt
Vielleicht erwartest du von dir, dass du nach der Diagnose stark bist, positiv denkst und alles gut im Griff hast. Möglicherweise fühlst du dich aber ganz anders. Auch das ist in Ordnung, denn du musst hier nichts leisten.
Alle Gefühle sind erlaubt
Manche Frauen fühlen sich nach der Diagnose wie betäubt. Andere sind wütend oder traurig, wieder andere fast erleichtert, weil das Unwohlsein endlich einen Namen hat. Manchmal wechselt alles innerhalb eines Tages. Es gibt kein richtiges Gefühl: Wut, Angst, Gleichgültigkeit oder Erleichterung sind alle in Ordnung, auch wenn sie sich widersprüchlich anfühlen.
Die Diagnose kann starke Gefühle auslösen, darunter Sorgen, Ängste und Schuld. Dass du so empfindest, sagt nichts über dich aus, sondern zeigt vor allem, wie wichtig dir die Schwangerschaft und dein Baby sind.
Quelle (Gefühle und Diagnose): diabinfo.de, „Gestationsdiabetes: Hintergrundinformationen für Fachkreise", https://www.diabinfo.de/fachkreise/grundlagen/gestationsdiabetes/hintergruende.html; Frauen mit Gestationsdiabetes zeigen häufiger Ängste und depressive Symptome, siehe Übersichtsarbeit „Associations between Gestational Diabetes and Anxiety or Depression: A Systematic Review", https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8337159/
Was oft hilft
Es hilft oft, dir nicht vorzuschreiben, wie du dich fühlen solltest. Gefühle verändern sich meist von allein, wenn du ihnen nicht zusätzlich mit Selbstkritik begegnest. Statt dich zu fragen „Warum bin ich so?“, kannst du dich fragen „Was brauche ich gerade?“. Vielleicht ist es Ruhe, vielleicht ein Gespräch oder ein bisschen frische Luft.
Kleine Angebote an dich
- Nimm dir jeden Tag einen Moment, der nur dir gehört, auch wenn es nur fünf Minuten sind.
- Schreibe auf, was dich bewegt, ohne es zu bewerten.
- Sprich mit jemandem, der zuhört, ohne zu bewerten.
- Bewege dich sanft, wenn dir danach ist und lass es, wenn nicht.
- Erlaube dir gute Tage und schlechte Tage.
Wenn Gefühle sich widersprechen
Du kannst gleichzeitig dankbar und traurig sein oder dich auf dein Baby freuen und trotzdem wütend auf die Diagnose sein. Gefühle müssen nicht logisch sein, sie dürfen nebeneinander stehen. Von Schwangeren wird außerdem oft erwartet, dass sie glücklich sind. Wenn dich die Diagnose beschäftigt, fällt es manchmal schwer, dich zu freuen. Das heißt nicht, dass du dein Baby weniger liebst, denn Freude und Sorge können nebeneinander existieren. Mit der Zeit finden viele Frauen wieder mehr Leichtigkeit, ohne dass sie etwas erzwingen mussten.
Wenn Tage schwer sind
Es wird Tage geben, an denen alles zu viel ist. Dann darfst du das Nötigste tun und den Rest lassen, denn ein Tag, an dem du nur für dich sorgst, ist kein verlorener Tag. Er gehört genauso zu deinem Weg wie die leichten Tage. Zwischen Terminen, Messen und Mahlzeiten bleibt oft wenig Raum für dich. Vielleicht magst du dir bewusst etwas gönnen, das nichts mit der Diagnose zu tun hat, zum Beispiel ein gutes Buch, Musik, ein Bad oder ein Gespräch mit einer Freund:in. Es muss nichts Besonderes sein, es darf einfach guttun.
Was Menschen dir zurückgeben können
Manchmal hilft es schon, wenn jemand einfach da ist und zuhört, ohne dass du etwas erklären oder lösen musst. Vielleicht gibt es jemanden, der dir eine Mahlzeit vorbeibringt, mit dir spazieren geht oder dich in den Arm nimmt. Du darfst solche Angebote annehmen oder sie aussprechen, wenn du sie dir wünschst.
Was bleibt, wenn es vorbei ist
Viele Frauen sagen später, dass sie in dieser Zeit etwas über sich gelernt haben: dass sie mehr aushalten, als sie dachten und dass es gut ist, um Hilfe zu bitten. Du musst das nicht jetzt spüren, es darf auch später kommen oder gar nicht.
Wenn du Unterstützung möchtest
Wenn dich die Gefühle sehr belasten oder lange nicht nachlassen, darfst du dir Hilfe holen. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Deine Gynäkolog:in, deine Hebamme oder deine diabetologische Praxis kann dich unterstützen. Mehr dazu findest du im Beitrag „Wann professionelle Hilfe hilft“.
Sprich bei allen Fragen und Unsicherheiten mit deiner Gynäkolog:in, Hebamme oder diabetologischen Praxis. Sie kennen deine persönliche Situation.