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Zwei Menschen halten sich am Tisch die Hände
Psyche & Motivation

Wenn das Umfeld nicht versteht

4 Min. Lesezeit
Kurz zusammengefasst
  • „Iss doch einfach weniger Süßes“: Gut gemeinte Ratschläge treffen oft, obwohl sie nicht böse gemeint sind.
  • Du musst niemandem die medizinischen Hintergründe erklären, wenn du dazu keine Lust hast.
  • Ein einfacher Satz reicht oft: „Meine diabetologische Praxis kümmert sich darum.“
  • Es kann helfen, eine Vertrauensperson einzuweihen, damit sie dich in Gesprächsrunden unterstützt.
  • Dein Umfeld darf dazulernen, aber du bist nicht dafür verantwortlich, alle aufzuklären.
Wenn du magst, kannst du ansprechen
  • Welche Sätze dich verletzen
  • Wen du in deine Situation einweihen möchtest

Du hast selbst erst verstehen müssen, was mit dir passiert. Und jetzt sollst du es auch noch anderen erklären. Dass sich deine Mitmenschen für die Diagnose interessieren, ist schön. Aber immer alles erklären zu müssen, ist anstrengend. Hier findest du ein paar Gedanken, die dich entlasten können.

Warum Ratschläge manchmal wehtun

Viele Menschen kennen Diabetes nur aus Erzählungen und denken an Zucker und Verzicht. „Iss doch einfach weniger Süßes“ klingt dann nach einer logischen Lösung. Für dich fühlt es sich an wie Schuldzuweisung. Dahinter steckt oft Sorge, Hilflosigkeit oder schlicht Unwissen. Das ändert nichts daran, dass es dich treffen darf.

Was wirklich dahintersteckt

Schwangerschaftsdiabetes entsteht durch die Hormone der Plazenta und nicht durch zu viel Süßes. Wenn du magst, kannst du das kurz erklären: „Das kommt von den Hormonen in der Schwangerschaft, nicht von meiner Ernährung.“ Du musst es aber nicht und du musst auch nicht überzeugen.

Quelle (Ursachen): diabinfo.de, „Gestationsdiabetes: Hintergrundinformationen für Fachkreise", https://www.diabinfo.de/fachkreise/grundlagen/gestationsdiabetes/hintergruende.html

Sätze, die dich schützen

Du musst niemandem die medizinischen Hintergründe erklären, wenn du dazu keine Lust hast. Ein einfaches „Meine diabetologische Praxis kümmert sich darum“ reicht völlig. Weitere Sätze, die helfen können:

  • „Danke, ich bin gut betreut.“
  • „Ich möchte darüber gerade nicht sprechen.“
  • „Es hilft mir am meisten, wenn du mich einfach unterstützt.“

Eine Vertrauensperson einweihen

Manchmal hilft es, eine Person kurz einzuweihen, damit sie in Familienrunden nicht ungewollt Kommentare anderer verstärkt. Das kann deine Partner:in, deine Mutter oder eine Freund:in sein. Sie kann dann eingreifen, wenn jemand nachbohrt und dir den Rücken stärken.

Wenn du verstanden werden möchtest

Wenn dir jemand wichtig ist, kannst du erklären, wie du dich fühlst und was du brauchst. Etwa: „Mir hilft es, wenn du nicht kommentierst, was ich esse.“ Oder: „Ich wünsche mir, dass du fragst, wie es mir geht.“ Konkrete Wünsche sind leichter zu erfüllen als allgemeine.

Du bist nicht allein damit

Viele Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes erleben, dass ihr Umfeld die Diagnose nicht ganz versteht. Es ist nicht deine Aufgabe, es ihnen zu erklären. Aber es hilft zu wissen, dass es anderen auch so geht. Der Austausch mit Frauen, die denselben Weg gehen, kann ein Gefühl von Verbundenheit schenken und den Druck nehmen, ständig erklären zu müssen.

Wenn du dich missverstanden fühlst

Es kann wehtun, wenn nahe Menschen deine Situation kleinreden oder nicht ernst nehmen. Du darfst traurig oder wütend sein, auch wenn die andere Person es nicht böse meint. Erlaube dir, dich danach kurz zurückzuziehen und durchzuatmen. Vielleicht tut dir ein Gespräch mit jemandem gut, der dich versteht, oder ein Spaziergang allein.

Was du dir vom Umfeld wünschen darfst

Du darfst dir wünschen, dass andere dich fragen, wie es dir geht, statt zu bewerten, was du isst. Du darfst dir Verständnis wünschen, auch wenn du nicht alles erklärst. Und du darfst Menschen, die es gut mit dir meinen, sagen, was dir hilft. Manche lernen schnell dazu, andere brauchen Zeit. Beides ist in Ordnung.

Kleine Rückzugsorte

Wenn Gespräche anstrengend werden, tut es gut, einen Ort zu haben, an dem du nichts erklären musst. Das kann ein Spaziergang sein, ein Platz am Fenster oder ein Telefonat mit einer Person, bei der du dich sicher fühlst. Dort darfst du einfach sein, ohne dich zu rechtfertigen. Solche Pausen geben dir Kraft für die Begegnungen, die dir schwerer fallen.

Wenn es dich belastet

Es ist erlaubt, Abstand zu nehmen, wenn dir ein Gespräch nicht guttut. Wenn dich solche Erfahrungen länger beschäftigen, sprich mit deiner Hebamme oder deiner diabetologischen Praxis. Mehr dazu findest du im Beitrag „Wann professionelle Hilfe hilft“.

Sprich bei allen Fragen und Unsicherheiten mit deiner Gynäkolog:in, Hebamme oder diabetologischen Praxis. Sie kennen deine persönliche Situation.