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Frau liest ihren Glukosesensor am Oberarm mit dem Smartphone aus
Arbeit

Blutzucker im Berufsalltag

4 Min. Lesezeit
Kurz zusammengefasst
  • Schwangerschaftsdiabetes und ein normaler Arbeitstag lassen sich mit festen Routinen gut verbinden.
  • Feste Zeiten für Messen und Snacks im Kalender helfen, sie im Stress nicht zu vergessen.
  • Du musst im Job keine Details zur Diagnose nennen. Ein Hinweis auf schwangerschaftsbedingte Anpassungen reicht in der Regel.
  • Wenn du Insulin spritzt, hilft es, die Mittagspause mit dem Team abzustimmen.
  • Bei Fragen zu Pausen und Mutterschutz kann deine Betriebsärzt:in oder der Betriebsrat helfen.
Fragen für dein nächstes Gespräch
  • Welche Bescheinigung kann ich für meinen Arbeitgeber bekommen?
  • Wie plane ich Messen und Snacks im Arbeitstag ein?
  • Wer berät mich zum Mutterschutz?

Meetings, Termine, Kolleg:innen und dazwischen Messen, Essen und Spritzen: Das klingt nach einem Balanceakt. Mit ein paar Routinen wird es überschaubar.

Feste Zeiten für Messen und Snacks

Trage Messzeiten und Snack-Zeiten fest in deinen Kalender ein. So gehen sie im Arbeitsstress nicht unter. Ein kleiner Vorrat im Bürokühlschrank oder in der Schublade erspart spontane Kompromisse, wenn zwischen zwei Meetings keine Zeit für den Weg zum Supermarkt bleibt. Geeignet sind Nüsse, Käse, Joghurt, Vollkorncracker und Gemüsesticks. Auch Wasser und ungesüßter Tee gehören auf den Schreibtisch.

Messen am Arbeitsplatz

Du darfst am Arbeitsplatz messen und, wenn nötig, spritzen. Das gehört zu deiner Behandlung. Wenn du dich dafür kurz zurückziehen möchtest, such dir einen ruhigen Ort, etwa ein Büro, einen Pausenraum oder die Toilette mit Waschbecken. Du musst dich nicht rechtfertigen.

Muss ich es im Job erzählen?

Du musst niemandem im Job Details zur Diagnose erklären, wenn du das nicht möchtest. Ein kurzer Hinweis auf „schwangerschaftsbedingte Anpassungen“ reicht in der Regel, falls du wegen fester Messzeiten oder einer Pause etwas absprechen willst. Mehr dazu findest du im Beitrag zum Gespräch mit dem Arbeitgeber.

Quelle (Arbeit und Diabetes): diabetologie-online, „Schwerpunkt Diabetes und Recht: Diabetes und Arbeitsplatz", https://www.diabetologie-online.de/a/schwerpunkt-diabetes-recht-diabetes-arbeitsplatz-2500348; KomNet NRW, „Dürfen Kurzpausen, die ich wegen meiner Schwangerschaftsdiabetes einlegen muss, zu Lasten meiner Mittagspause gehen?", https://www.komnet.nrw.de/_sitetools/dialog/2515

Spritzen und Mittagspause abstimmen

Wenn du Insulin spritzt, hilft es, die Mittagspause mit dem Team grob abzustimmen, damit du direkt nach dem Spritzen essen kannst, statt noch auf die Wirkung warten zu müssen.

Jule, Gründerin von GlukomamaBei mir hat es geholfen, im Job vorher kurz abzusprechen, wann wir Mittagspause machen und mich entsprechend danach zu spritzen. So konnte ich in der Pause direkt essen, statt noch fünfzehn Minuten auf die Wirkung warten zu müssen.

Pausen, Stress und Schlaf

Stress, wenig Schlaf und lange Sitzzeiten können deinen Blutzucker beeinflussen. Plane kleine Pausen ein, steh regelmäßig auf und geh ein paar Schritte. Nach dem Mittagessen tut ein kurzer Spaziergang gut. Wenn dir der Tag zu viel wird, sprich mit deiner Praxis. Manchmal helfen schon kleine Anpassungen bei Arbeitszeiten oder Aufgaben.

Dienstreisen und Termine außer Haus

Wenn du beruflich unterwegs bist, nimm dein Messzubehör und einen Vorrat an Snacks immer mit. Bei Außenterminen fällt die gewohnte Routine weg und das Essen ist oft unplanbar. Wenn es ein Mittagessen mit Kund:innen gibt, wirf vorab einen Blick auf die Karte oder frage bei der Bestellung nach einer Beilage mit Gemüse. Du musst dich nicht erklären. Ein kurzer Satz wie „Ich bevorzuge heute etwas Leichtes“ genügt.

Schichtarbeit und unregelmäßige Zeiten

Bei Schichten oder wechselnden Arbeitszeiten ist es schwieriger, einen festen Rhythmus zu halten. Hier hilft es, die Messzeiten und Mahlzeiten an die Schicht anzupassen, statt sich an die Uhrzeit zu klammern. Sprich mit deiner Praxis über deinen Dienstplan. Sie kann dir Vorschläge machen, wie du Insulin und Mahlzeiten verteilst. Auch Mutterschutzregeln zur Nachtarbeit sind ein Thema für deine Ärzt:in.

Wenn es im Team nicht ankommt

Nicht jedes Team zeigt sofort Verständnis. Wenn Kolleg:innen Kommentare machen oder dich wegen der Pausen schief ansehen, darfst du freundlich bleiben und trotzdem klar sein. Du tust etwas für die Gesundheit von dir und deinem Baby. Wenn es dauerhaft belastet, sprich mit deiner Führungskraft, dem Betriebsrat oder der Betriebsärzt:in. Du musst das nicht allein lösen.

Wenn es nicht mehr passt

Ob zusätzliche Pausen für Messen und Essen möglich sind, hängt vom Einzelfall ab. In manchen Fällen kann eine Ärzt:in Anpassungen am Arbeitsplatz oder in seltenen Fällen ein Beschäftigungsverbot ausstellen. Das entscheidet sie nach deiner Situation. Frag bei Unsicherheit deine Gynäkolog:in, den Betriebsärzt:in oder den Betriebsrat.

Sprich bei allen Fragen und Unsicherheiten mit deiner Gynäkolog:in, Hebamme oder diabetologischen Praxis. Sie kennen deine persönliche Situation.